Den Hoffnungsträger der Buchverlage kann man nicht durchblättern. Das ist ein wenig ungewohnt für die Verlage, die bislang ein Produkt herstellten, das seit 500 Jahren auf dem Markt ist und sich seit dem nur unwesentlich verändert hat. Aber man richtet sich damit ein, dass Bücher zunehmend als Hörversion auf CD erscheinen und zunehmend als MP3-Datei aus dem Internet geladen werden. Denn während die Deutschen immer schwerer zum Bücherkauf zu überreden sind, beschert das Hörbuch der Branche kräftige Umsatzzuwächse. Nach Schätzungen von Verbänden gibt es bereits rund 13 000 Buchtitel zum Hören.
2005 erwirtschaftete die deutsche Buchbranche mit Hörversionen ihrer Bücher rund 150 Mill. Euro, 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das ist zwar immer noch wenig in einem Markt von mehr als fünf Milliarden Euro. Doch für das laufende Jahr erwarten Experten ein noch größeres Wachstum. Und die Zukunft sieht viel versprechend aus: In den USA, wo der Markt schon weiter ist, hat die Hör-Literatur einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. Und Experten glauben, dass der richtige Boom der in Bits und Bytes zerlegten Schmöker erst noch ansteht.
Bei jedem Hörbuch gibt es einen oder mehrere Sprecher, die das geschriebene Wort vortragen. Dabei kann der Sprecher der Autor des Buches selbst sein oder es wird von einem oder mehreren Schauspielern gelesen.
Bei Lesungen kann zwischen zwei Arten unterschieden werden: der gekürzten Lesung und der ungekürzten Lesung.
Gekürzte Lesung: Dabei wird, bevor das Buch gelesen wird, der Text gekürzt. Es kann dabei entweder nur leicht oder unter Umständen sogar extrem viel gekürzt werden.
Ungekürzte Lesung: dabei wird der gesamte Text des Buches vorgetragen. Bei diesen Varianten kann der Sprecher entweder der Autor selbst, ein oder mehrere Schauspieler sein. Die Sprecher können dabei die Stimmen verstellen, um es dem Hörer zu erleichtern die Charaktäre zu unterscheiden.
Seit dem kommerziellen Durchbruch Mitte der 90er Jahre zeigt die Erfolgskurve kontinuierlich nach oben. Die Hörbuchbranche erwirtschaftet Zuwachsraten zwischen 20 und 30% pro Jahr und setzt im deutschsprachigen Europa gegen 100 Mio Euro um. Zwar erreichen Hörbücher am jährlichen Gesamtumsatz der Branche nicht mehr als 3%. Doch der Buchhandel ist sich einig, dass der Markt weiterhin kräftig wachsen wird. Ein Vergleich mit den USA stützt diese Vermutung: Hier ist der Markt für Hörbücher mittlerweile auf 2 Mrd Dollar angewachsen, was rund 10% des gesamten US-Buchmarktes entspricht.
Hörbücher fokussieren sich auf die mit dem Walkman und iPod gross gewordene Info-Elite zwischen 25 und 35, die es gewohnt ist, ihre knappe Zeit einzuteilen. Das ermittelte ein Münchner Hörverlag in einer Umfrage. Weil im Alltag kaum noch Zeit bleibt, sich in dicke Schmöker zu vertiefen, greifen immer mehr junge, gebildete und mobile Käufer zu den Audio Books. Sie hören, ganz nach dem amerikanischen Motto «Double your time», mit Vorliebe Krimis, Belletristik, Klassiker und gar Lyrik im Auto, im Zug oder zuhause nebenbei.
Die meisten Neuerscheinungen stammen aus den Häusern Hörverlag und Random House (Bertelsmann). Pro Jahr werfen sie gegen 100 Neuerscheinungen auf den Markt. Branchenprimus Hörverlag generierte 2003 in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Nettoumsatz von 20 Mio Fr. Dies entspricht einem Zuwachs von 42% gegenüber 2002, wobei der Megaseller, die fünf Harry-Potter-Editionen, noch nicht eingerechnet ist: Von denen gingen bislang über zwei Mio Stück über die Ladentheke. Genaue Zahlen für den deutschsprachigen Schweizer Markt sind nicht erhältlich. Denn Hörbücher verkaufen nicht nur der Buchhandel, sondern auch Warenhäuser, Elektro-Discounter wie Media Markt oder Fachgeschäfte.